Daniel Schwiperich's Racing Blog RSS XING MAIL

Süd-Frankreich - Circuit de Ledenon

Anreise: Frisch motiviert von den positiven Ergebnissen aus Kroatien und voller Elan, brachen am Montag morgen vor Sonnenaufgang ein paar Kölner Urgesteiner, Hinzugezogene und Ausländer aus dem hohen Norden in Richtung der südfranzösischen Mittelmeerküste auf, in der Hoffnung auf mediterrane Temperaturen und Sonnenschein. Die Hinfahrt schien unsere Erwartungen zu bestätigen und verwöhnte uns mit Sonne und steigenden Temperaturen. In den Pausen versorgten wir die in den Motorradklassen vertretenen Energydrink - Hersteller mit neuen Sponsoringbudgets für die laufende Saison und erfreuten uns an architektonischen, sowie technischen Wunderwerken der Franzosen (Atomkraftwerke).

Die letzten Kilometer vor dem Ziel erinnerten André und mich stark an das Anfahrtsstück am Pannoniaring, bei dem noch der Anhänger mit dem Moppeds einem letzten Härtetest unterworfen wird (Jochen führte den Elchtest für seinen neuen Wohnanhänger schon frühzeitig durch ;) ). Der einzige Unterschied bestand darin, dass es die ganze Zeit bergauf ging.

Anfahrt Ledenon - Rennstrecke

Anfahrt Ledenon - Rennstrecke

Endlich angekommen wurde ausgeladen und die Boxen bezogen. Von der Boxenmauer aus riskierte ich einen Blick auf die Strecke. Man kann sehr viel einsehen, doch was ich sah verschlug mir anfangs den Atem. Ich bin schon ein wenig was gewöhnt von der Nordschleife und aus Spa. Aber solche Höhenunterschiede bei einer Rennstrecke, waren mir bis dato unbekannt. Mit einem Gefühl bestehend aus Vorfreude, großen Respekt und unendlicher Müdigkeit bezog ich nach den üblichen Zündergesprächen mein Feldbett, direkt neben meiner kleinen GSX-R und träumte von Klippen, Schwaben (Boxenkollegen) und Baguette.

Box in Ledenon

Box in Ledenon

Der nächste Morgen graute, und das ist wörtlich zu nehmen. Es war bewölkt, kühl und ich war ein wenig sauer. Meine Stimmung besserte sich erst ein wenig als Jochen und Harry mir versprachen: “In Ledenon regnet es nicht!”.  Der Veranstalter Art Motor hatte 5 Turns (3 Vormittags, 2 Nachmittags) pro Tag vorgesehen. In Gruppe 2 sollte ich die Strecke kennenlernen. Ich bereitete mich auf den ersten Turn vor und war ein wenig beängstigt, da ich mein GPS - Gerät vergessen hatte, was Skifahrer und Snowboarder einsetzen um, im Falle einer Lawine von der Streckenwacht schnellstmöglich gefunden zu werden.

Morgens an der Strecke

Morgens an der Strecke

Turn 1 startete und ich versuchte mich an der Linie der vor mir Fahrenden orientieren da man die meisten Kurven durch die Steigungen und Gefälle nicht einsehen kann. Ein Kawafahrer zog an mir vorbei und ich wollte hinterher. 2 Kurven später stand der Kawafahrer im Kies. Er hatte wohl das Bergaufstück nach Kurve 9 mit der Bergauf von Start - Ziel verwechselt. Anfangs kann das wohl passieren…. Irgendwie beendete ich Turn 1 und fand den Weg zu meiner Box. Ich nahm mir den Streckenplan vom Veranstalter und studierte den Kurs anhand der Karte und den Erfahrungen aus Turn 1, bis ich ihn auswendig konnte:

“Dreifach Links STOP am Ende zuziehend STOP Rechtsknick und anschließend den Berg runter STOP Enge 180° Rechts (war da eine Bodenwelle in der innenseite??? ) STOP “ usw

Turn 2 verlief so schon deutlich besser und der Streckenverlauf mit seinen Tücken und Besonderheiten prägte sich mir immer mehr ein.

In Turn 3, der letzte vor der Mittagspause, hatte ich dann den Kurs zu meiner eigenen Verwunderung gelernt und konzentrierte mich auf das Finden von Bremspunkten, Ideallinie, Gangwahl etc. Runde für Runde lief es besser.

In der Mittagspause schob mich dann Wolf  Törns (Art Motor) in die schnelle Gruppe. Ich hatte zwei schöne (harmlose) Fights mit zwei 600er Kollegen und ärgerte die 1000er im Winkelwerk des Kurses. Am Ende des Tages stand eine beachtliche 1.36,2 auf der Zeitenliste, womit ich auf Platz 4 in der 600er Kategorie, hinter 2 Ledenonerfahrenen Seriensportkollegen und einem weiteren 600er Treiber, wohl aus der Superstock EM stand, die alle drei schon 1.35er Zeiten fahren konnten. Abends fuhren wir in das tiefergelegene Ledenon zum Essen. Ich holte mir ein paar Tipps von Jörg der die Strecke kannte und mich ein paar Runden auf seiner 1000er K3 verfolgt hatte. Vorm Schlafen gehen ging ich die Strecke im Kopf durch und analysierte die Streckenabschnitte, bei denen ich meiner Meinung nach Zeit holen konnte.

Mittwoch, Tag 2: Den ersten Turn ließ ich ausfallen, da ich erst kurz vorher mit Reifen- und Bremsbelagwechseln fertig geworden war. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass ich dabei nicht überhastet reagieren sollte um in Ruhe noch mal alles kontrollieren zu können.

Nun kommt der, für mich, unschöne Teil des Events. Ich begann die Reifen einzufahren und Runde 1 fühlte sich gut an. In Runde 2 hatte ich in der Links von Kurve 6 einen leichten Vorderrad Rutscher und beim Bergauf von Start-Ziel stand ein Ducati oder Yamahafahrer und kam den Berg nicht mehr hoch. Vom Umlegen nach der engen Kurve 3 (Links) in den Rechtsknick bevor es Berg runter geht, brach mir auf einmal das Hinterrad aus, stabilisierte sich wieder und schmiss mich aus den Fussrasten. Ich befand mich, ein Augenzwinkern später, vorne Rechts vom Motorrad, versuchte mich noch fest zu halten, zog aber das Motorrad mit mir runter. Auf weitere Details verzichte ich, nur soviel: Mir geht es gut (bis auf eine Erkältung und eine Zerrung) und der Schaden an der gsx-r hält sich in Grenzen.

GSX - R 600 nach Sturz

GSX - R 600 nach Sturz

Schadensanalyse (Vorort und Nachbetrachtung): Ich war mich sicher einen Highsider gehabt zu haben, was aber ein wenig ungewöhnlich wäre, da man den Rechtsknick mit relativ geringer Schräglage fährt. Highsider werden zwar gerade an dieser Stelle oft gebaut, aber nur beim Beschleunigen aus der engen Links heraus kurz vorher, also mit Schräglage nach Links. Mein Sturz passierte, wie man am Reifen sehen kann mit vielleicht 25° Grad Schräglage nach Rechts. Das war mir aber vor Ort noch nicht bewusst. Mein Fahrwerksspezi, meinte nach der Begutachtung des Reifens, dass ich wahrscheinlicher auf irgend etwas weggerutscht bin oder über etwas drüber. Meine Vermutung geht dahin, dass der Fahrer der den Berg in Runde 2 nicht mehr hochkam, vielleicht leicht Betriebsmittel verloren hat, was auch den Vorderradrutscher in Runde 2 erklären könnte. Einen einfachen dummen Fahrfehler kann ich aber natürlich auch nicht ausschließen.

Die letzten anderthalb Tage verliefen für mich natürlich wenig spektakulär. Es gab sehr viele Stürze. Die rote Flagge wurde genauso oft gezeigt wie an einem warmen Sonntag auf der Nordschleife die rote Ampel. Auch das Supersport Rennen, wurde nach 2 Neustarts wegen Stürzen abgebrochen.

Bilder kann ich euch auch nur meinen selbstgemachten zeigen, da es der Fotograf nicht für nötig hielt die ersten beiden Tage zur Strecke zu kommen.

Ich möchte euch aber den Bericht von André empehlen, der zusätzlich tolles Videomaterial enthält. So ein Kamerasystem wird nach der Reperatur bestimmt meine nächste Anschaffung sein ;)

Ledenon - City

Ledenon - City

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Daniel84