Daniel Schwiperich's Racing Blog RSS XING MAIL

Training: Lausitzring mit SPS Race

Ende September findet der letzte Lauf zur Seriensport - Meisterschaft statt. Austragungsort des Finale wird der im tiefsten Osten gelegene Lausitzring sein. Es war also an der Zeit dort ein Training durchzuführen.

Relativ spontan kam die Entscheidung mit SPS Anfang August 3 Tage an besagter Rennstrecke zu verweilen. Alex bot mir an, mich auf dem Weg dorthin einzusammeln und mich in seinem Wohnmobil nächtigen zu lassen. Solch ein Angebot konnte ich natürlich nicht ausschlagen. :-)

Aufgrund der kurzfristigen Entscheidung konnte ich mich vorab nicht mit Lausitzring beschäftigen. Um schnell zu sein müsste man auf jeden Fall die 2min Marke knacken und von den Zeiten wäre es vergleichbar mit dem Hockenheimring, sagte man mir. Ich wollte die Herausforderung annehmen. Als beinah größte Herausforderung erwies sich dann aber die Hinfahrt. Machten die Wiesel sich jetzt auch schon über Kölner her? ;)

Eingang Gegengerade

Eingang Gegengerade

Die Wiesel: Auf halber Strecke, befanden wir uns auf der zu dem Zeitpunkt 3 spurigen A4 und hatten gerade ein Rennen mit einem LKW - Zug für uns entscheiden können. Gut das diese Dinger bei 96 KM/H abgeriegelt sind. Ich hatte  Brötchen von hinten aus dem WoMo geholt, mich vergewissert das unsere beiden Lieben (Die kleinen Gixxer geben ein gutes Paar ab) noch da sind und gerade wieder angeschnallt als es plötzlich einen lauten Knall gab. Der erste Gedanke der mir in den Kopf kam war, dass es ein Mopped vom Hänger gerissen hat. Dann roch es verbrannt im WoMo. Während mir etliche Sachen durch den Kopf liefen, balancierte Alex das WoMo samt Anhänger auf den Seitenstreifen. Ich kletterte nach hinten und sah unsere Moppeds beide noch da wo sie hingehörten. Beim umdrehen stutzte ich dann. Ich konnte Asphalt sehen. Einen geplatzten Reifen ebenfalls. Wir hatten ein Loch im WoMo und einen geplatzten Reifen. Ich hörte ein leises Kichern und sah im Augenwinkel noch 2 haarige, kleine Etwase weghuschen. Konnte das sein oder habe ich mir das nur eingebildet??? :D

Ich fragte Alex ob wir den ADAC rufen sollen und sagte das es wohl noch ein langer Tag werden würde bis wir wieder zu Hause wären. Er guckte mich mit einem großen Fragezeichen an, schickte mich das Warndreieck aufstellen und 30 min später waren wir wieder unterwegs. Immer gut jemanden dabei zu haben, der keine 2 Linken Hände ohne Finger hat — so wie man selbst. ;)

Spät nachts kamen wir dann endlich ins Fahrerlager , dockten uns an die Zeltstadt an und nach einem Feierabendbier bezogen wir dann die Betten. Durch das Loch im Boden sollte es auf jeden Fall nicht zu warm werden…

Der erste Tag: Morgens gab es das übliche Prozedere: Aufstehen, Kaffee trinken, Reifenwärmer aufziehen,Anmeldung, Kaffee trinken, Fahrerbesprechung, Kaffee trinken, Umziehen, Wasser trinken.

Hier ein kurzes Wort zum Veranstalter SPS Race: Die Organisation und Ablauf waren genau so, wie es sein sollte. Viel Fahrzeit, 2 Gruppen (Die Leute wurden schon am ersten Mittag umsortiert, wenn die Gruppe nicht passte), und zusätzlich wurde sich sehr um das Wohlergehen der Kunden gesorgt: Morgens gab es Kaffee umsonst sowie Obst und Snacks, Abends dann Freibier und sogar ein kostenloser Fahrwerksservice war vor Ort, der nebenbei bemerkt auch noch sehr gut ist.

Raus auf die Strecke. Bitte Verkehr beachten

Raus auf die Strecke. Bitte Verkehr beachten

Raus auf die Strecke. Endlich mal ein Linkskurs. Einstellen des GPS Laptimers und dann mal schauen wo es lang geht. Im ersten Turn fuhr ich bereits eine 1:57. Bremspunkte hatte ich aber noch keine gefunden. Zwischen den Turns ging ich die Strecke im Kopf durch, denn sie ist wesentlich schwieriger zu erlernen als zum Beispiel ein Hockenheimring. Nach und nach fand ich meine Bremspunkte und Linie und so stand am Ende des ersten Tages mehrere mittlere 1:54er auf dem Laptimer. Alex hatte sich für den ersten Tag einen privat Instruktor names Harry gekauft und war ebenfalls zufrieden. Er hatte nun auch die 2 min Marke durchbrochen. Ein richtiger Racer halt ;)

Leider hat es schon am ersten Tag meinen Metzeler zerstört. Die Linke Seite war komplett aufgerissen. Vor den beiden längsten Geraden (Start-Ziel, Gegengerade) gibt es jeweils eine Schikane. Man beschleunigt aus niedriger Geschwindigkeit in leichter bis mittlerer, linkseitiger Schräglage voll auf die Gerade hinaus.

Das heftige Beschleunigen auf die Gegengerade geht auf den Reifenverbrauch

Das heftige Beschleunigen auf die Gegengerade geht auf den Reifenverbrauch

Da ich nun ein Reifenproblem hatte schleppte Alex mich zu Willi (Dem Chef von SPS) und dieser schlug mir einen Deal vor den ich nicht ausschlagen konnte. Ich sollte doch mal die profilierten GP Racer ausprobieren. Wenn ich damit zufrieden wäre müsste ich ihn kaufen, wenn nicht, dann sollte ich ihn zurückgeben. Ich sagte ihm darauf, dass ich nur zufrieden wäre wenn ich mich gegenüber dem ersten Tag steigern könnte. Nach einem Handschlag war das Abkommen gültig :)

Tag 2: Die Sonne weckte uns im Wohnmobil. Schon morgens war es warm. Ich fuhr die ersten beiden Turns noch auf meiner Pirelli (Vorne) - Metzeler (Hinten) Kombination. Auf anhieb fuhr ich konstante, mittlere bis hohe 53er Zeiten und tiefe 54er. Keine leichte Herausforderung für die Dunlops. Mein mir erklärtes Ziel war es unter 1:55 zu fahren. Jetzt aber wollte ich mehr. Ich zog die Dunlops drauf und startete meinen ersten Turn mit Ihnen.

Warm werden mit den Dunlops. Hier erste Links nach Start-Ziel

Warm werden mit den Dunlops. Hier erste Links nach Start-Ziel

Das Feedback der Reifen war enorm. Ich spürte jede, aber auch wirklich jede Unebenheit. Es war aber mehr störend. Mein Prozessor im Kopf lief auf auch Hochtouren und kam mit der Verarbeitung kaum hinterher. Trotzdem fuhr ich auf Anhieb auch mit den Dunlops 53er und 54er Zeiten. Nach dem Turn schob ich meine kleine GSX-R dann zum Pepe (Fahrwerkservice von SPS). Ich sagte ihm, dass meine 600er mir viel zu viel über den Belag am erzählen ist und sie in der Kurve, beim Beschleunigen und beim Bremsen sehr unruhig wirkt. Pepe legte seine Hände auf meine Sexy und nach ein paar Klicks und Umdrehungen später, sagte er zu mir: “Jetzt passts.”. Alles klar dachte ich mir. Ab in die zerfledderte Kombi (wirkt mittlerweile sehr respekteinflössend oder einfach nur Krank auf andere Fahrer :) ) und raus auf die Piste.

Die Auswirkungen waren sofort zu spüren. Das Motorrad lag viel ruhiger auf der Strasse und lieferte ein klares, nicht störendes Feedback. Ich konnte an den meisten Stellen zusätzlich noch später Bremsen als in allen vorigen Turns.  Perfekt. So kam es dann auch das die ersten niedrigen 53er Zeiten auf der Uhr standen und ich wohl oder übel die Reifen kaufen musste :D

Langsam machte es Spass

Langsam machte es Spass

Für weitere Verbesserungen blieb leider keine Zeit mehr, da es schon der letzte Turn gewesen war. Alex fuhr noch mit einem Bekannten das Langstreckenrennen am Abend. Zu dritt wollte ich nicht starten, auch weil alles etwas chaotisch lief. Also spielte ich mal die Rolle des Helfers. Das Rennen war im vollen Gang. Alex war gerade rausgefahren und sollte das Rennen mit der Spritfüllung zu Ende fahren können. Ich machte es mir in der Sonne bequem und wollte ein wenig Dösen. Das war auch kein Problem, doch im Traum hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Als ich dann auch noch geschüttelt wurde wusste ich das es kein Traum war. Alex stand vor mir, mit Transponder in der Hand und angekratzter Kombi. Er hatte sich Eingangs Gegengerade lang gemacht und ist den ganzen Weg mit Transponder zur Boxengasse gelaufen. Reife Leistung! Ein ordentliches Ergebniss war aber dadurch für die beiden nicht mehr zu erreichen. :)

Am Abend wurden dann ein oder zwei Freibiere getrunken und das Mopped vin Alex wieder gerichtet. Gut wenn man manchmal ne vollständige, zweite Fussrastenanlage dabei hat ;)

Letzter Tag: Ich wachte auf und war hoch motiviert. Dass ich das Langstreckenrennen hatte ausfallen lassen nahm ich mir selbst übel. Wir hatten noch 2 Turns zum Trainieren und danach das Sprintrennen. Mit frischem Elan zog ich wieder meine kampferprobte Lederkombi an und fuhr raus. Über Nacht hatte ich mir noch überlegt wo und wie ich Zeit liegen liess. Ein paar Stellen hatte ich im Kopf aber hauptsächlich bestand der Plan darin einfach mehr zu pushen.

Die beiden Turns machten riesig Spaß und es standen zu meiner Freude auch die ersten 52er Zeiten auf der Uhr. Fürs Qualifying galten diese aber nicht mehr und so fand ich mich auf Startplatz 12 wieder.

Mit Einsatz wurden die Zeiten nochmals besser

Mit Einsatz wurden die Zeiten nochmals besser

Für mich ungewohnt war das große Starterfeld. Während in unserer Klasse 7 beim Seriensport das Feld recht überschaubar ist, traten hier gleich 40 600er Piloten an den Start. Nach der Einführungsrunde sollte noch eine Warmup Lap kommen. Perfekt um noch einmal den Start zu trainieren. Bei 40 Leuten wollte ich nicht nochmal so einen Wheeliestart wie am Hocken hinlegen. Ich hoffte allerdings das auch wirklich jeder mitbekommen hatte, das es eine Warmup Lap gab, und nicht welche in dieser Runde schon das Messer auspackten.

Das Rennen: Die Warmuplap verläuft so wie es sein sollte. Niemand stürzt. Ich rolle auf meine Startposition. Rechts von mir steht eine Triumph. In den beiden Startreihen vor mir sehe ich nur fauchende R6en. Ich habe schon oft überlegt, darauf zu wechseln. Scheinbar scheinen die ja ganz gut zu gehen. Sonst würden ja nicht soviele vor mir stehen. ;)

Ein leises Knurren unter mir erinnert mich daran, dass ich ja ein Rennen fahren wollte und ich den Gedanken besser beiseite schiebe, bevor meine Suzi noch anfängt zu zicken.

Der Rennleiter senkt die rote Flagge und bewegt sich langsam Richtung Boxenmauer. Ich klappe mein Visier runter, lege den ersten Gang ein (ja Alex, das macht man bevor die Ampel ausgeht :D ) und steigere die Drehzahl. Die Ampel geht auf Rot, bleibt Rot, im Augenwinkel sehe ich eine R6 vor mir losfahren, Ampel aus - Rennen gestartet. Ich komme gut weg. Die Triumph scheint mächtig Drehmoment zu haben. Wir machen beide 2 Plätze gut und klemmen uns direkt hinter die Spitzengruppe. Als es das erste mal auf die Gegengerade geht verliere ich ein paar Meter. Die Kisten vor mir scheinen tatsächlich gut zu laufen. Egal, auf der Bremse bin ich gut und arbeite mich wieder etwas ran. Bei Startziel verliere ich aber wieder Meter.

Auch die Streckenbegrenzungen blieben nicht verschont. Ich wars nicht :)

Auch die Streckenbegrenzungen blieben nicht verschont. Ich wars nicht :)

Selbst im Windschatten kann ich nicht dran bleiben. Im Infield arbeite ich mich wieder leicht ran. Dann kommt die lange  Links vor Abcoa. Die fährt man im spitzen Winkel an, nachdem man vorher nochmals das Gas kurz voll aufreißt und dann einen Gang runterschaltet und tief in in die Kurve reinbremst. Leider schalte ich 2 Gänge runter, das gefällt der kleinen gar nicht und tut mir das durch ein schlingerndes Hinterrad kund. Ich muss die Kurve weit gehen und habe natürlich etliche Meter auf das vor mir liegende Feld verloren.

Im Rennen macht keiner gerne Geschenke

Im Rennen macht keiner gerne Geschenke

Ich versuche noch mehr zu puschen und die verlorenen Meter wieder aufzuholen. Eingang Start-Ziel bricht mir dann beim Beschleunigen das Hinterrad aus. Ich habe mir für das Rennen keine frischen Reifen aufgezogen, da es für mich ja um nichts besonderes geht und der Lottogewinn leider ausgeblieben ist. In Linkskurven fühlt sich der Reifen nicht gut an und rutsch ein wenig. Ich muss mich etwas zurückhalten beim Beschleunigen in linker Schräglage um nicht noch zu stürzen. Das nutzt ein beim Start überholter R6 - Fahrer und setzt sich beim Anbremsen Ende der Gegengerade neben mich. Zusammen fahren wir durch die Schikane auf die lange Links. Schon wieder verliere ich Meter beim Beschleunigen und auf der Geraden. Langsam nervts denke ich mir unter meinen Helm. (Wieder ertönt ein leichtes Knurren meiner Kleinen. Ich glaube sie will mir sagen, dass wenn ich sie besser pflegen würde, sie genauso gut gehen kann :) ). In den folgenden Linkskurven fühlt der Hinterreifen sich wieder gut an und ich kann wie gewohnt am Kabel ziehen. Meter um Meter komme ich langsam ran. In der nächsten Runde, Stelle Goodyear - Kurve, sehe ich den R6 Fahrer dann übers Vorderrad rutschen. Den Rest des Rennens verbringe ich einsam und allein. Ab und zu passiere ich einen zu Überrundenen. Weit und Breit niemand zu sehen. “Das Rennen könnte jetzt auch mal langsam vorbei sein” denke ich mir  und erinnere mich, dass jemand meinte man könne die Zielflagge schlecht sehen. Nächste Runde Start-Ziel, beobachte ich also die Boxenmauer und da ist sie dann auch. Mit 3,5 Sekunden Vorsprung auf den nächsten Verfolger passiere ich die Ziellinie. Endergebniss: 8. Platz - Ich bin zufrieden. Das Feld war sehr stark besetzt. Einige Ex - Cuppies und Leute aus anderen Meisterschaften.

Geschafft. Und alles ganz gelassen. Zumindest am Bike

Geschafft. Und alles ganz gelassen. Zumindest am Bike

Nach den gefühlten 250 Siegerehrungen (SSP, SSP Dunlup, SBK, SBK Dunlop, SBK Pro, SBK Pro Dunlop, speed.to Cup, GH Moto und mehr) packten wir unsere neu errungen Pokale und sieben Sachen, verabschiedeten uns vom Veranstalter, Freunden und Bekannten und begaben uns in Richtung Heimat. Ob die Wiesel uns gefolgt waren? Nein, aber sie hatten uns ein paar nette Hürden in den Weg gelegt. Es fing stark an zu Regen und dabei löste sich das Tape (Bodenersatz). Das ganze Spritzwasser lief uns WoMo. Herrlich… Nachdem das Problem gelöst war (es hatte aufgehört zu regnen) wurde die Autobahn gesperrt auf Höhe Siegen. Also alle Mann schön durch die Ortschaften des Siegerlandes. Irgendwann spät Nachts, oder eher früher Morgen, erreichten wir dann endlich die Heimat.

Als nächstes werde ich mich am 16.08 wieder in Richtung Oschersleben begeben um am nächsten Seriensportlauf teilzunehmen. Aber vorher werde ich wahrscheinlich noch meine Lederkombi ersetzen (müssen).

Zum Schluß noch Glückwunsch an Alex, der nen guten Sprung nach vorne gemacht hat bei dem Event und langsam gefährlich nahe an meine Zeiten heranrückt.

PS: Leider warte ich noch auf die originalen Bilder. Deswegen stelle ich erstmal die in der Qualität und Größe reduzierten Bilder online. Lohnt sich also vielleich in ein paar Tagen nochmal vorbei zuschauen.

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5 Kommentare zu „Training: Lausitzring mit SPS Race“

  1. Alex Preuss sagt:

    Schöner Bericht Daniel!

    Und die Ansage für den Läusering nächstes Jahr steht :)

  2. André sagt:

    Und jeder Bericht ein Stückchen besser :-)

    Sehr cool, wäre gern dabei gewesen…

    Ach ja: Hatte ich nicht gesagt, dass die Dunlops klasse sind? :-)

    LG,
    André

  3. Ben sagt:

    Cooler Bericht und Glückwunsch zu den errungenen Erfahrungen ;)

  4. tino768 sagt:

    Hi Daniel, super Bericht und hoffe, das nächste Mal grüßt du beim Überrunden ;)
    Gruß Erik

  5. [...] Juli nahmen wir am Training von SPS am Lausitzring teil. Vor Ort war auch das Team von SimpleCore welches zum ersten Mal Slowmotionaufnahmen von den [...]

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Daniel84