Der Sturz in Oschersleben hat die Meisterschaft wieder spannend gemacht. Mein komfortabler 26 Punkte Vorsprung auf Michael B. schrumpfte auf einen einzigen Punkt zusammen. Ich habe mich noch dümmer als Herr Doctoré Rossi in Indy angestellt. Mit einem Vorsprung von ca. 6 sek (eine Welt im Rennsport) verspielte ich auf dümmste Art und Weise wertvolle Punkte.
Der nächste Termin fand nun im berüchtigten Schleiz statt. Geliebt von den Einen, gehasst von den Anderen. Für mich: einfach nur Neu! Wie schon in Hockenheim, besaß ich keinerlei Erfahrung auf dieser Strecke. Hinzu kam ein neues Motorrad…
Der Sturz in Oschersleben fügte meiner Kleinen empfindlichen Schaden zu. Um weiter um die Meisterschaft kämpfen zu können, musste ich schnell wieder mobil sein. Ein Zufall brachte mir eine funktionierende GSXR 600 im Tausch gegen meine Lädierte ein. Auf nähere Details möchte an dieser Stelle nicht eingehen
Begleitet von einer sehr guten Freundin, machten wir uns auf in Richtung Schleiz. Diese ominöse Freundin kennt nicht nur mehr Rennfahrer wie ich, sondern ist auch noch mit Schleiz bestens vertraut. Die aufgetischten Geschichten über Strecke und Fahrerlager ließen mich zweifeln, ob wir wirklich zu einer Rennstrecke hin unterwegs waren. Kurz vor Ankunft wurde mir offenbart, dass wir bereits die (Renn)strecke passierten. Tatsächlich gehört ein teil der Strecke im Alltagsleben zum normalen Strassenverkehr. Unglaublich!!! So was gibt es nicht mal auf der Nordschleife.
Ankunft: Der Einlaß des Fahrerlagers wurde von komischen Lebewesen bewacht, die sich seltsam unrhytmisch zu noch seltsameren Klängen (NICHT Musik) bewegten. Diese Lebewesen welche von der äußeren Erscheinung beinah menschlich aussehen (sofern sie sich nicht bewegen und Laute von sich geben) sind nicht wie wir Erben des Homo Sapiens sondern des “Homo Ossi Adac”. Wir können nicht ihre Sprache verstehen, sie doch glücklichweise unsere. Eine halbe Stunde später durften wir dann auch passieren und schufen ein architektonisches Meisterwerk aus 2 Jonnek Zelten, 3 Motorrädern und einem CandleLight-Dinner Bus auf einem Fundament aus Erde und Gras, welches von der Spezies “Homo Ossi Adac” diesselbe Bezeichnung besitzt wie bei uns das “Fahrerlager” einer Rennstrecke.
Die Seriensportler, welche der Spezies der R6 Cuppies um Längen überlegen ist (besonders in den Bereichen Schnelligkeit, Grillen und nicht zu vergessen dem Mundwerk) verbrachten einen schönen, wenn auch etwas kühlen Abend. Zum Glück gibt es mobile Heizkörper ( danke Dinner
). Unser Volvo besaß einen solchen aber nicht und mein perforierter Schlafsack (Löcher so groß wie Eier) sorgte für gefühlte 0 Stunden schlaf. So stand ich dann auch erquickt um 6 Uhr auf und wunderte mich mittlerweile nicht mehr, dass der Winter am Ostpol schon ein paar Monate früher einsetzt als im schönen Westeuropa. Wenig später sah ich den ersten Transporter, der ausrollte um Pöller und Strassenschilder wie “Vorfahrt beachten”, “Stopp” und “Unfallstrecke” einzusammeln. Wären meine Mundwinkel über Nacht nicht erstarrt, hätte ich Schmunzeln müssen.
Dauerprüfung 1 — Nur eine kurze Zusammenfassung: Es war noch immer Winter, das Motorrad drückte Öl und Kühlwasser aus dem Limadeckel auf meinen Stiefel und Schwinge und alles fühlte sich einfach Scheisse an. Der fast neue Metzeler (2 Runden Oscherleben) bestätigte diesen Eindruck und zeigte mir durch eine, aufs äußerste auffgerissene, linke Reifenlanke, dass er in 40min mindestens 2 Tode gestorben ist. Im schien das noch auf Dunlop eingestellte Fahrwerk gar nicht zu gefallen.
Ich sagte ihm, dass wenn ich jetzt am Fahrwerk schraube ihm das noch weniger gefallen würde, und wir einigten uns darauf die 2. DP noch in Freundschaft zu verbringen um danach dann getrennte Wege zu gehen.
Dauerprüfung 2: Ich hatte einen Deal an dem ich halten musste und fuhr nur noch für die erforderliche Rundenanzahl raus. Die Temperaturen waren besser und 2 Sekunden waren schnell gefunden. Schräglagen gab es aber keine. Für solche Gemeinheiten bekamm ich von hinten immer den Satz zu hören: “Wenn du machst was du willst, tue ich das auch…” Das noch immer austretende Öl, Wasser, sorgte auch nicht weiter für steigendes Vertrauen in den Grip.
Vor dem Rennen: Zwischen der letzen DP und dem Rennen lag viel Zeit. Michael, mein schärfster Konkurrent um den Titel
, half mir bei der Identifikation des Öl/Kühlwasserproblems (So sind wir Seriensportler halt). Da es sich als wahrscheinlicher Haarris im Motordeckel erwies, ließ sich auch nichts dran ändern. Die mitgereiste ominöse Freundin namens “26 und Verheiratet” verhinderte bravourös äußere Gewalteinwirkungen an der 600er durch den Besitzer und brachte seinen Puls auf ein normales Level zurück in dem sogar eine Art (wenn auch einseitige Art) Kommunikation möglich war.
Kurz vor dem Rennen: Da ich wieder als letzter genannt hatte, startete ich auch letzter (Ganz erhlich Herr oder Frau DMSB: Eine scheiß Regelung!!!). Michael, in der Meisterschaft direkt hinter mir, stand 2 Plätze vor mir. Ich muss vorab sagen: Unsere Klasse ist zwar schwach besetzt, aber Michael und ich lieferten ein geiles Rennen à la Rossi und Lorenzo (verglichen dazu zwar in Zeitlupe aber trotzdem genauso spannend). Ich musste vor Michael ins Ziel kommen um den 1 Punkt Vorsprung zu vergrößern. Ich wusste um mein reifenmordendes und total unpassendes Setup und das ich eine zulange Übersetzung fuhr (Habe den 5. nicht einmal ausgedreht, der 6. Gang hatte Urlaub an dem Tag). Ich schätzte mich konditionell besser ein als Michael und wollte mich einfach an sein Hinterrad heften um dann in den letzten 2 Runden zu überholen.
Das Rennen: Die Ampel in Schleiz schaltet verdammt schnell wie ich feststellen musste. Ich komme nur mäßig weg, Michael startet besser. Uns trennen ca. 2-3 Sekunden. Ich arbeite mich recht schnell an ihn ran und klebe an seinem Hinterrad. Im Abschnitt nach Start-Ziel kann ich gut aufholen, ebenso beim Anbremsen der Spitzkehre und im letzten S (das mit dem Ententeich, echt unglaublich die Strecke
). Auf den schnellen Bergabstücken, verliere ich aber immer etwas Zeit und habe heftige Vibrationen vom Vorderrad. Die Seriengabel ist total überlastet und geht ständig auf Block.
Es ist ungefähr in Runde 6 als ich weiter vorne den ersten zu Überrundenen der Klasse 4 erblicke. Ich ändere meinen Plan und beschließe vorzeitig zu überholen um im Getümmel der Klasse 4 zu verschwinden. Vor der Spitzkehre macht Michael einen kleinen Fehler und ich will mich beim Anbremsen innen reinsetzen. Die Bodenwellen und die ******gabel verhindern ein optimales Bremsen. Ich bin gerade auf mittlerer Höhe von Michael und weiß das er mich noch nicht gesehen haben kann. Ich stehe vor der Wahl zu riskieren, dass wir beiden stürzen könnten oder aufzumachen. Zweiteres scheint mir die vernünftigere Lösung zu sein. Ich mache auf und muss in der Spitzkehre quasi Wenden in 3 Zügen spielen. Auf der Startziel kann ich Michael zwar noch sehen, aber leider auch wie er den ersten Eingeholten der Klasse 4 auf der Geraden ganz easy passieren kann. Den Streckenposten scheint die blaue Flagge ausgegangen zu sein und der vor mir fahrende kennt nur eine Linie — Kampflinie. Michael bleibt zwar in Sichtweite, aber der Vernunftengel sagt mir: Wichtige PUNKTE holen, Guck mal auf deinen Stiefel wie schon der glänzt und denk daran das heute alles bisher scheisse gelaufen ist. Das Teufelchen auf der rechten Schulter mit dem großen Ego ist seltsamerweise an dem Tag ganz klein mit Hut.

Der Abstand war nach dem Fehler zu groß. Ebenso wie das Risiko eines Sturzes, wegen den schlechten Bedingungen.
Michaels Pace lässt leider nicht nach, er packt sogar nochmal eine Schippe drauf und so komme ich hinter ihm ins Ziel. — Zwar in Sichtweite, aber hinter ihm — Sicher, mit wichtigen Punkten, einem siffenden Limadeckel und einem noch passablem Hinterreifen für die nächste DP am Lausitzring. Das (*******) Vernunftengelchen schläft zufrieden in der Outlap ein.
Da erwacht das Ego des Teufelchen, erkennt meinen Frust über die Niederlage, huscht auf meine linke Schulterseite, gibt dem Engelchen einen Stoß in der Spitzkehre, flüstert mir adrenalinstöße erweckende Worte ins Ohr, pickst mich in die Narbe auf der rechten Schulter und wir verabschieden uns mit einem Wheelie durch die Boxengasse aus der Schleiz. In der Lausitz wird es einen Passagier weniger geben…

Kevin Schwantz: "To Finish first, you first have to finish". Ich möchte dieses Zitat erweitern: "To finish on the podium and take important points, you first (or third) have to finish"
Am Eurospeedway Lausitz (26.09.2009) findet das Finale statt. Wenn jemand an der A4 ein verwahrlostes Vernunftengelchen stehen sieht, welches Anhalter spielt, so möge er es mir bitte erst am 27.9 per DHL zuschicken.
Zum Abschluß: Auch wenn die Planung, Organisation und Durchführung der Seriensportläufe (Je nach Betrachtungsweise die 2. oder 3. größte deutsche Meisterschaft) teils stark verbesserungwürdig ist, so machen die Teilnehmer das gleich mehrfach wett. Dank an Anna (bist du 26 und verheiratet???
), Dinner, Fräulein Laura, Michael, Janine, Slowly, MJ, R6Heiner, DGIR, Kampfschlumpf und die ich gerade vergessen habe für ein geiles, cooles (ja ich meine kühles) Wochenende.
Zur Lausitz: Eintritt ist frei, wer Fahrerlagerkarten für Samstag haben möchte soll mir schreiben an: info@gsx-rinfo (Habe noch ein paar übrig). Wir werden schon Freitags beim Training vom All-In-Team sein. Besucher sind herzlich willkommen!





hey….nein bin nicht verheiratet :-D! sehr geiler bericht! an einigen stellen hab ich schmunzeln müssen an anderen hab ich mich kringelig gelacht :-)! weiter so….! auf großes kino in der lausitz!
netter Bericht… hört sich aber an als machst du dir zu viele Gedanken im Rennen ^^
sehen uns in Lausitz mein Lieber !!!!